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Warum die Frachtkosten 2026 wieder explodieren und wie Unternehmen ihre Lieferketten jetzt widerstandsfähiger machen

Setblog Preview - Steigende Frachtkosten 2026

Noch Anfang 2025 schien sich die Lage auf den internationalen Seefrachtmärkten zu beruhigen. Neue Schiffskapazitäten sorgten für sinkende Frachtraten, Lieferketten stabilisierten sich und viele Unternehmen hofften auf mehr Planungssicherheit.

Nur wenige Monate später zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Frachtkosten steigen wieder rasant. Der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI), einer der wichtigsten Indikatoren für die Entwicklung der globalen Seefracht, hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei über 3.100 Punkten. Für Unternehmen, die Waren aus Asien importieren, ist das ein deutliches Warnsignal.

Doch was steckt hinter dem erneuten Anstieg der Frachtkosten? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für globale Lieferketten?

Was ist der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI)?

Der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) gilt als einer der wichtigsten Preisindikatoren für den internationalen Containerverkehr. Er bildet die aktuellen Spotraten für Containertransporte von Shanghai zu den wichtigsten Häfen weltweit ab.

Steigt der Index, steigen in der Regel auch die Kosten für Unternehmen, die ihre Waren per Seefracht importieren. Gerade für Branchen wie Textil, Konsumgüter, Möbel oder Elektronik ist der SCFI deshalb ein wichtiger Frühindikator für steigende Beschaffungskosten und mögliche Lieferengpässe.

Entwicklung der Frachtkosten 2024 bis 2026

Abbildung 1: Entwicklung des Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) von 2024 bis Juni 2026. Nach einer Phase sinkender Frachtraten zeigt der starke Anstieg seit Anfang 2026 die erneute Dynamik auf den internationalen Seefrachtmärkten.

Warum steigen die Frachtkosten wieder?

Der aktuelle Anstieg der Frachtraten ist nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Vielmehr treffen mehrere geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen gleichzeitig aufeinander.

1. Das Rote Meer bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Seit Ende 2023 sorgen Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer für erhebliche Störungen im internationalen Seeverkehr. Viele Reedereien meiden die Route durch den Suezkanal weiterhin und fahren stattdessen um das Kap der Guten Hoffnung.

Diese Umleitung verlängert die Transportzeit um bis zu zwei Wochen. Schiffe sind länger unterwegs, Kapazitäten werden gebunden und die verfügbaren Container werden knapper. Das wirkt sich unmittelbar auf die Frachtkosten aus.

2. Neue Spannungen im Nahen Osten
Zusätzliche Unsicherheit bringt die Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormus. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Einschränkungen oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen führen zu höheren Versicherungs- und Transportkosten.

Auch wenn sich die politische Lage zuletzt etwas entspannt hat, bleibt das Risiko für den internationalen Schiffsverkehr bestehen.

3. Frontloading sorgt für zusätzliche Nachfrage
Parallel dazu erhöhen zahlreiche US-Unternehmen ihre Importe, bevor neue Zölle in Kraft treten. Dieses sogenannte Frontloading steigert die Nachfrage nach verfügbaren Transportkapazitäten zusätzlich.

Treffen steigende Nachfrage und eingeschränkte Kapazitäten aufeinander, steigen die Frachtraten oft innerhalb weniger Wochen deutlich an. Genau diese Entwicklung lässt sich aktuell beobachten.

Welche Folgen haben steigende Frachtkosten?

Steigende Frachtkosten wirken sich auf nahezu alle Bereiche der Supply Chain aus.

Unternehmen müssen unter anderem mit folgenden Herausforderungen rechnen:

  • Steigende Einkaufskosten, insbesondere bei Importen aus Asien
  • Sinkende Margen, wenn höhere Transportkosten nicht weitergegeben werden können
  • Längere Lieferzeiten durch Umleitungen und überlastete Häfen
  • Unsichere Ankunftstermine, die Produktions- und Verkaufsplanung erschweren
  • Höhere Lagerkosten, wenn Sicherheitsbestände aufgebaut werden müssen
  • Steigende Endkundenpreise, um zusätzliche Kosten zu kompensieren

Besonders betroffen sind Unternehmen, die ihre Waren auf FOB-Basis einkaufen und die Transportkosten selbst tragen. Für sie wirken sich steigende Frachtraten unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Lieferkette aus.

Die eigentliche Herausforderung ist fehlende Transparenz

Steigende Frachtkosten sind nur ein Symptom. Die größere Herausforderung besteht darin, ihre Auswirkungen frühzeitig zu erkennen.

Welche Lieferungen verzögern sich? Welche Bestellungen sind betroffen? Welche Lieferanten müssen informiert werden? Und welche Kunden erhalten ihre Ware später als geplant?

Viele Unternehmen können diese Fragen noch immer nicht kurzfristig beantworten. Informationen liegen verteilt in unterschiedlichen Systemen, E-Mails oder Excel-Dateien. Bis Risiken erkannt werden, ist häufig bereits wertvolle Zeit verloren gegangen.

Gerade in volatilen Märkten wird deshalb End-to-End-Transparenz zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Unternehmen benötigen einen zentralen Überblick über Bestellungen, Transporte und Liefertermine, um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.

5 Maßnahmen gegen steigende Frachtkosten

Auch wenn Unternehmen geopolitische Krisen nicht beeinflussen können, lassen sich ihre Auswirkungen deutlich reduzieren.

1. Lieferketten in Echtzeit überwachen
Nur wer Verzögerungen früh erkennt, kann rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten.

2. Risiken frühzeitig identifizieren
Transparenz über Bestellungen, Lieferanten und Transporte ermöglicht schnellere Entscheidungen.

3. Lieferantenbasis diversifizieren
Eine breitere Lieferantenstruktur reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Regionen oder Transportwegen.

4. Sicherheitsbestände gezielt planen
Höhere Lagerbestände verursachen Kosten, können jedoch Produktionsausfälle verhindern.

5. Daten statt Bauchgefühl nutzen
Moderne Supply Chain Plattformen liefern die Informationen, die für fundierte Entscheidungen in Krisenzeiten notwendig sind.

Volatilität wird zur neuen Normalität

Auch wenn sich die aktuelle geopolitische Lage entspannen sollte, rechnen viele Experten nicht mit einer Rückkehr zu den dauerhaft niedrigen Frachtraten der Jahre vor der Pandemie.

Neue Umweltauflagen für die Schifffahrt, geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren und strukturelle Veränderungen im Transportmarkt werden die globale Logistik auch künftig beeinflussen. Unternehmen müssen deshalb lernen, mit einer höheren Volatilität umzugehen, anstatt auf eine vollständige Normalisierung zu warten.

Fazit: Transparenz wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil

Die Entwicklung der Frachtkosten im Jahr 2026 zeigt erneut, wie eng geopolitische Ereignisse und globale Lieferketten miteinander verbunden sind.

Steigende Frachtraten lassen sich nicht verhindern. Unternehmen können jedoch entscheiden, wie gut sie darauf vorbereitet sind.

Wer Risiken frühzeitig erkennt, Lieferketten in Echtzeit überwacht und fundierte Entscheidungen auf Basis aktueller Daten trifft, kann Kosten reduzieren, Lieferfähigkeit sichern und schneller auf Veränderungen reagieren.

Gerade in einer Zeit, in der Krisen nicht mehr die Ausnahme, sondern zunehmend Teil des Tagesgeschäfts sind, wird Supply Chain Transparenz zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil – und zu einer zentralen Voraussetzung für resiliente Lieferketten.