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Setlog Holmes

Setlog Holmes

Es war an einem dieser verregneten Nachmittage, die nichts Gutes ankündigten. Ich saß wie üblich in meinem bequemen Stuhl, trank meine vorgeschriebene Dosis Kaffee und starrte konzentriert auf die sechs Monitore, die mir den absoluten Einblick in das Innenleben der bis ins Detail ausgeklügelten Supply Chain Systeme gaben, deren Wohlergehen mir anvertraut war.

Sie suggerierten mir, dass alles wie am Schnürchen lief: gewaltige Mengen an Waren wurden bestellt, produziert, verladen, über den ganzen Globus transportiert und letztendlich in die Lagerhäuser der Kunden zugestellt. Es war eine ganz eigene, höchst lebendige, komplexe und sensible Welt, die die Bühne für ein Schauspiel voller fast unerträglicher Spannung bot, in dem Harmonie und Drama, Gewinn und Verlust, Erfolg und Niederlage ganz dicht beieinander lagen. Eine falsche Einstellung und alles konnte augenblicklich im absoluten Chaos versinken. Aber ich hatte den Überblick und die Kontrolle – alles paletti controlletti!

So dachte ich jedenfalls.

Das gedämpfte Klingeln des Telefons unterbrach meine komplexen Gedankengänge, die unter anderem das Abendessen betrafen. Ich betätigte die Taste an meinem Headset mit aktiver Rauschunterdrückung und meldete mich: „Setlog Holmes…“

Eine leise, klare und etwas strenge Stimme meldete sich: „Hier ist Claire. Claire Auf… bist du mal wieder in deinen Gedanken vertieft, wie? Wie wäre es mit ein bisschen Realität? Danach kannst du dich ja wieder hinlegen…“

Jemand stupste mich von der Seite an und ich erschrak: Claire saß plötzlich direkt neben mir mit dem Telefon in der Hand, sah mich mit ihren klaren, durchdringenden Augen an und lächelte spöttisch.

Ich riss verstört das Headset von meinem Kopf: „Was gibt es?“

„Die Schnittstellen. Hast du die auf dem Schirm?“

„Welche von den dreißig Schnittstellen meinst du? Die zum Kunden, zu den Produzenten oder den Spediteuren? Um welchen Kunden geht es hier überhaupt?“

„Schau her“, sagte sie und zeigte mir ihr Tablet: „Es sind plötzlich Differenzen in den Werten zu den Verschiffungen aufgetreten.“

„Dann hat sie der Spediteur so verschickt – Shit in, Shit out!“

„Komm schon, du kannst es besser…“

„Schon gut“, murmelte ich missmutig und öffnete die Änderungshistorie der Sätze, „da, die erste Verfälschung ist vor drei Stunden reingekommen, hier sieht man die eingegangenen Daten, … Moment Mal, die sind ja völlig in Ordnung!“

Das war verwirrend und beängstigend. Die Zahlen, die von dem Spediteur reinkamen, waren fehlerlos, aber auf unserer Datenbank landete stattdessen Müll?! Wie konnte das sein? Mir wurde schummerig, kalter Schweiß trat mir auf die Stirn und der Herzschlag beschleunigte sich. Alpträume von durchgearbeiteten Nächten mit kalter Pizza und ständigen Eskalationscalls aus dem Headquarter des Kunden entstanden vor meinem inneren Auge, drohten mich zu überwältigen und zu lähmen. Ich stand am Rande eines Blackouts.

„Ruhig, ruhig Blut“, sagte ich zu mir, während meine Augen aus den Höhlen traten, „das ist der Ernstfall, den wir oft geübt haben, also im Prinzip eine andere Art von Routine.“ Langsam beruhigte ich mich, meine Hände flogen immer sicherer über die Tastatur und ich geriet in einen konzentrierten Flow.

„Ok, erstmal die Schnittstelle stoppen, den aktuellen Zustand sichern und anschließend den letzten Stand der betroffenen Zeilen rekonstruieren.“ Das ging dank vorbereiteter Skripte schnell und unkompliziert. So konnte in dem System weitergearbeitet werden. Nun ging es an die Detektivarbeit!

„Es gilt wohl die kriminellen Machenschaften eines kranken Hirns aufzudecken, die hier im Gange sind!“ verkündete ich halb im Spaß.

„Die Deduktion sagt etwas anderes“, antwortete Claire, während sie hektisch die Datenbank nach Hinweisen durchforstete.

„Deduktion? Wer soll denn das sein? Außerdem lügt die gute Frau, das ist ganz offensichtlich!“

Nach einer halben Stunde Recherche war es klar, dass wir nicht umhin kamen den Vorfall auf einem Sandboxsystem nachzustellen und zu rekonstruieren. Das ging ebenfalls dank Containertechnologie und vorgedachten Pipelines recht routiniert vonstatten.

Und letztendlich hatten wir ihn doch überführt, den unsichtbaren Mr. Bug. Irgendwann verrät man sich doch, verstrickt sich in seinen Lügen und widerspricht sich in der Logik.

Es waren weitere Sätze reingekommen, die dieselben Identifier hatten wie die Betroffenen und haben Vorhandenes überschrieben. Ein Fehler beim Spediteur, aber unser System war darauf offensichtlich (noch) nicht vorbereitet!

„Dann müssen wir jetzt einen hotten Hotfix implementieren.“, sagte Claire erleichtert, „Fange schon mal an, ich informiere solange den Spediteur und den Kunden. Ach ja, und macht nichts, wenn es schnell geht…“

Sobald man das Problem kennt, liegt die Lösung auch nah. Schnell war dieses Ungeziefer ausgerottet. Nach dem Test auf der Sandbox wurde die Anpassung direkt online installiert. Schon konnte der Import wieder reaktiviert werden.

Ja, so waren wir: IT in High Definition!

Elegant vollführte ich den Mousedrop und ging mit einem siegreichen Lächeln auf den Lippen nach Hause.


Eduard ist Software Developer in unserem Team „Globetrotter“ bei Setlog. Globetrotter arbeitet eng mit unserem NYC Team zusammen und ist für unsere amerikanischen Kunden zuständig. Eduard ist einer unserer kreativsten Köpfe, der sich immer wieder gerne neuen Ideen hingibt um zu zeigen, wie das Leben bei Setlog so ist.