Zum Inhalt springen

Schnittstellen in der Lieferkette: Warum ein System für alles das Problem nur verschiebt

Vorschaugrafik Schnittstellen in der Lieferkette

Eine Branchenumfrage des Softwareanbieters Cargoclix aus dem Juli 2026 zeichnet ein ernüchterndes Bild. Nur rund jedes fünfte befragte Unternehmen bescheinigt sich einen hohen oder sehr hohen Digitalisierungsgrad, die Mehrheit sieht sich im Mittelfeld. Bemerkenswert ist dabei weniger die Selbsteinschätzung als die Begründung. An der Spitze der genannten Hindernisse steht nicht mehr der interne Personalmangel, sondern die geringe digitale Reife der Partner, also von Spediteuren und Lieferanten. Auf Platz drei folgen fehlende Standards und Schnittstellen, genannt von 43,2 Prozent der Befragten.

Die Stichprobe ist mit 37 Unternehmen klein, das Ergebnis also eher Stimmungsbild als Statistik. Trotzdem trifft es einen Punkt, den wir in Projektgesprächen fast täglich hören. Das Digitalisierungsproblem sitzt nicht im eigenen ERP-System. Es sitzt an den Rändern. Dort, wo die eigene Systemlandschaft aufhört und die des Lieferanten, des Spediteurs oder des Dienstleisters anfängt.

Die Reflexantwort der Softwarebranche

Auf dieses Problem gibt die Branche seit Jahren dieselbe Antwort: die Suite. Ein Anbieter, ein System, alles aus einer Hand. Die Logik dahinter ist einleuchtend. Wo nur ein System im Einsatz ist, gibt es keine Schnittstellen, die brechen können.

Nur löst dieser Ansatz das Problem nicht. Er verschiebt es.

Denn erstens endet keine Lieferkette an der Unternehmensgrenze. Ein Modeunternehmen kann seine internen Prozesse vollständig in einer Suite abbilden und steht danach immer noch vor der Frage, wie der Lieferant in Bangladesch, der Spediteur in Rotterdam und der Zolldienstleister ihre Daten einspielen. Zweitens wird der Anbieter selbst zum Engpass. Jede neue Anforderung wartet auf seine Roadmap, ob geänderte Zollvorgabe, neuer Prüfstandard oder zusätzlicher Frachtführer. Und drittens wächst mit der Breite eines Systems selten seine Tiefe. Wer alles kann, kann selten etwas davon so gut wie ein Spezialist.

Ein starker Kern und offene Ränder

Wir haben uns bewusst für den anderen Weg entschieden. OSCA ist kein System, das alles abdeckt, sondern eine Ebene zwischen dem ERP-System und den Partnern der Lieferkette. Der Kern ist die Zusammenarbeit: Bestell-, Liefer- und Transportdaten an einem Ort, für alle Beteiligten sichtbar, in einem gemeinsamen Prozess. Alles, was darüber hinausgeht, holen wir uns über offene Schnittstellen zu Spezialisten.

Genau deshalb ist unser Partnernetzwerk in den vergangenen zwölf Monaten gewachsen. Es ist kein Vertriebsinstrument, sondern eine Landkarte der Schnittstellen, die unsere Kunden tatsächlich brauchen. Drei Ebenen lassen sich dabei unterscheiden.

Die ERP-Ebene. Die meisten unserer Kunden arbeiten mit einer gewachsenen SAP- oder Microsoft Dynamics Landschaft, die sie nicht ablösen wollen und auch nicht sollten. Die Frage ist nicht, ob das ERP-System bleibt, sondern wie es um kollaborative Funktionen ergänzt wird, ohne dass daraus ein Zwei Jahres Projekt wird. Mit realcore und xalution arbeiten wir mit zwei Partnern zusammen, die genau diese Integrationsarbeit als Kerngeschäft betreiben. realcore hat den Schwerpunkt SAP, xalution bringt Microsoft Dynamics Expertise und zusätzliche Branchenerfahrung in der Fashion-Industrie mit.

Die Transport- und Sichtbarkeitsebene. Sobald die Ware unterwegs ist, verlassen die Daten das eigene Haus. Statusmeldungen kommen dann aus Systemen, auf die niemand im Unternehmen Zugriff hat. Shippeo bringt Echtzeit-Transporttransparenz und die Buchung von Transporteuren direkt in OSCA, intelliway synchronisiert Transportdaten automatisch, sodass Statusupdates ohne manuelle Nachverfolgung verfügbar sind. Beides sind keine Zusatzmodule, sondern ohne Medienbruch integriert.

Die Ebene der angrenzenden Fachprozesse. Verzollung und Qualitätsprüfung sind eigene Disziplinen mit eigener Fachtiefe. Über die Anbindung an ALS erhält der Zolldienstleister alle relevanten Sendungsinformationen automatisiert und strukturiert aus OSCA, während der Verzollungsstatus in OSCA sichtbar bleibt. Über die Schnittstelle zu Qarma stehen Qualitäts- und Inspektionsdaten im selben Prozess zur Verfügung, in dem auch die Bestellung liegt.

Was das in der Praxis bedeutet

Ein typisches Szenario aus unserem Umfeld: Ein Modeunternehmen mit rund 200 Lieferanten in Asien führt seine Bestellungen im ERP-System, kommuniziert Liefertermine per E-Mail, verfolgt Sendungen über die Portale von drei verschiedenen Spediteuren und erfasst Prüfberichte in einer separaten Excel-Datei. Kein einzelner dieser Schritte ist besonders aufwendig. Zusammen erzeugen sie eine Nacharbeitslast, die niemand budgetiert hat, weil sie sich auf viele Schultern verteilt.

Der Ausweg ist selten ein neues Gesamtsystem. Er besteht darin, die Übergänge zu schließen, einen nach dem anderen, in der Reihenfolge, in der sie Schaden anrichten.

Fazit

Die Cargoclix-Zahlen bestätigen, was in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden ohnehin sichtbar ist. Anschlussfähigkeit ist keine Produktfunktion, die man einkauft. Sie ist eine Architekturentscheidung. Und zwar eine, die man nicht allein trifft. Ein Anbieter, der behauptet, alle Schnittstellen einer Lieferkette selbst abzudecken, beschreibt entweder eine sehr einfache Lieferkette oder eine sehr optimistische Roadmap.

Wir haben uns für den offenen Weg entschieden und werden ihn weiter ausbauen.