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Digitalphobie? Oder – wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Digitalphobie? Oder – wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Die Geschichte der Digitalisierung ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Obwohl diese Geschichte noch gar nicht so lang ist. Lang hingegen ist die Geschichte des Medienwandels und auch bei der Durchsetzung des Buchdrucks hatten die Menschen Angst vor der großen Veränderung.

Je nach Perspektive bewirkte der Buchdruck dabei auch nicht ausschließlich Positives: Pamphlete oder andere gesellschaftskritische Meinungen fanden ihren Weg in die breite Öffentlichkeit, der Adel oder die Kirche wurden verunglimpft. Doch der Mehrwert für die Gesellschaft insgesamt muss bei einem solchen Wandel dringendst beachtet werden. Langsam aber sicher setzte sich das Buch zwar durch, aber Handschriften wurden dennoch weiterhin lange von Menschenhand produziert – auch eine Entscheidung. Und was haben wir heute? Schnell produzierte Bücher, Verbreitung wichtiger Meinungen, Wissen für alle! Die Maschine macht dabei die Arbeit, entscheiden was drinsteht, ob und wann publiziert wird: Das ist die Befugnis des Menschen.

So wie die Angst während des Medienumbruchs ab dem 16. Jahrhundert herrschte, so herrscht auch heute die Angst vor der Digitalisierung. Der Unterschied ist allerdings, dass heute die Menge an Informationen ungleich stärker wächst, und so eine schnelle Entwicklung macht Angst. Doch gerade deswegen sollte man Digitalisierung als hilfreiches Tool betrachten. Wenn wir mittels einer Software Daten ermitteln können, welche Inhalte bei wem wann gut ankommen: Warum sollten wir uns dies nicht zu Nutze machen? Die letzte Entscheidungsinstanz darüber, ob diese Inhalte publiziert werden, hat am Ende immer noch der Mensch inne – eine Kontrolle, ganz analog, von Fleisch und Blut und menschlichem Hirn getroffen. Wir sind ja schon groß.

 

Doch wie jede Medaille hat auch diese zwei Seiten. Wovor die Menschen wirklich Angst zu haben scheinen ist dabei nicht ausschließlich der vermeintliche Verlust Entscheidungen zu treffen, sondern, dass ihr Job die Digitalisierung nicht überleben wird. Diese Sorge ist auch begründet. Die Schnelligkeit der Digitalisierung fordert dabei ein schnelles Handeln seitens der Unternehmen und der Politik, denn schließlich steht ein Kulturwandel vor der Tür und diese Tür wird bald eingetreten.

Die Aufgaben sind dabei vielfältig und wir müssen dringend vorbeugen: Viele Jobs werden im Zuge der Digitalisierung überflüssig, neue kommen hinzu. Die Jobs, die hinzukommen, kann aber nicht jeder machen. Wo also bleiben die Leute, deren Jobs überflüssig werden? Entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen in Verbindung mit Teilzeitstellen können helfen, einen Einstieg in einen der „neuen“ Jobs zu bekommen. Um die Digitalisierung für alle zu einem positiven Wandel zu machen braucht es also einen radikalen Umbau in unserem Weiterbildungssystem.

 

Die Vor- und Nachteile sind dabei abhängig von der Branche. Bewegt man sich in der Logistikwelt wird man feststellen, dass die Digitalisierung ausschließlich positive Auswirkungen zu haben scheint. Das Thema Transparenz hängt dabei eher mit einem persönlichen Empfinden zusammen, nicht jeder findet diese unbedingt gut. Doch die Vorteile überwiegen: Schnellere Prozesse und Kostenreduktion führen zu einer Transparenz, die es erlaubt, dass Daten ohne Emailverkehr oder Excellisten von allen Beteiligten bearbeitet und eingesehen werden können. Hier besteht nicht die Angst vor der Digitalisierung, sondern eher davor, die Digitalisierung zu verpassen und somit nicht mehr wettbewerbsfähig sein zu können.

 

Wir können nun viel über die Vor- und Nachteile sprechen und abwägen, die nehmen wir weiterhin in alle Diskussionen mit. Doch nichtsdestotrotz sollten wir mehr Vertrauen in die Technik haben; das gleiche Vertrauen, das der Pilot in die Technik von Flugzeugen hat, das gleiche Vertrauen, das wir in die Technik unserer Autos haben, mit dem wir tagtäglich zur Arbeit fahren. Wir sitzen am Steuer, entscheiden und kontrollieren, aber ohne Technik kommen wir auch nicht von A nach B. Nun muss der Staat eingreifen damit alle mitfahren können oder zumindest die Chance haben wenigstens einen Sitzplatz zu bekommen.