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Hot Dog

Hot Dog

Wer möchte nicht den ganzen Tag im Büro mit seinen Freunden balgen, kämpfen, laut sein, Spaß haben, Kollegen, Besucher und Kunden anschnauzen, beschnüffeln oder anlecken, von allen mit den leckersten und teilweise verbotenen Speisen gefüttert werden, Unsinn und Dreck machen und dafür trotzdem oder gerade deswegen geliebt und geknuddelt werden?

Wer möchte nicht während der Arbeitszeit so oft man will Powernapping auf bequemen Polstermöbeln machen, unterbrochen durch einen netten, befreienden und die Kreativität fördernden Spaziergang im angrenzenden Park?

Das geht!

In unserer Firma zum Beispiel. Die einzige Voraussetzung für diesen Traumjob ist: man muss ein Hund sein!

Ja, wir sind auf den Hund gekommen: Mittlerweile haben wir acht relativ große Hunde, die sich auf zwei Etagen verteilt das Revier teilen. Es ist eine kleine Hundewiese im Büro. Sie sind omnipräsent und die wahren Herren der Landschaft. Wild tollen sie laut bellend tagaus tagein durch die Räumlichkeiten, blockieren die Fluchtwege, plündern den einen oder anderen unbewachten Snack von den Tischen und halten den Boden krümelfrei. Vom Hund in den Mund leben sozusagen. Und dabei bleiben sie stets munter – hundemüde sind höchstens die Menschen.

Wie hat das ganze Hundeelend angefangen? Wo ist der linke Hund, der dafür verantwortlich ist?

Und warum Hunde? Keiner käme auf den Gedanken seine Katze, seinen Kanarienvogel oder Hamster mit ins Büro zu bringen.

Um das zu verstehen müssen wir einen herabschauenden Hund zurück in die Geschichte machen:

Seit Jahrmillionen ist der Hund der beste Freund des Menschen. Seine Funktion als Schutz-, Wach- oder Jagdhund ist in der heutigen Zeit bei den meisten nur sekundär von Bedeutung. Wichtiger ist, dass die folgenden grundlegenden Bedürfnisse des Menschen durch dieses Tier befriedigt werden:

Gesprächsbedürfnis: der Hund hört einem immer zu, schaut verständnisvoll drein und gibt keine Widerworte

Treuebedürfnis: der Hund ist seinem Herrchen/Frauchen treu bis in den Tod

Kuschelbedürfnis: Ein Hund ist warm, weich und mit Fell überzogen – ein besseres Kuscheltier kann man sich kaum vorstellen.

Spielbedürfnis: Ein perfekter Spielkamerad – motiviert, unermüdlich und lernfähig. Im Moment besser als jeder Roboter oder jede Drohne.

Fürsorgebedürfnis: der Mensch braucht etwas, um das er sich kümmern und das er erziehen kann. Das Gute bei Hunden ist, dass sie im Gegensatz zu Kindern niemals erwachsen werden und für immer versorgt werden müssen.

Kommunikationsbedürfnis: wenn zwei Hundebesitzer sich treffen, kommen sie sofort ins Gespräch – an Themen mangelt es nicht. So ähnlich wie bei Rauchern. Eigentlich kann man sie mit einer Kaste, einer Community oder einem Geheimbund vergleichen: Sie haben ihre eigene Sprache, ihre Regeln, Pflichten und ihre eigene Weltanschauung.

Vielleicht haben die Leute auch einen geheimen Neid auf das vermeintliche „Hundeleben“. Die Tiere leben bei den meisten Besitzern wie Gott in Frankreich oder wie im Hundehimmel und genießen alle Privilegien – sie sollen es ja besser haben als man selbst.

 

Das alles hat aber seinen Preis: man sperrt sich in den goldenen Käfig aus Verpflichtungen ein, muss sein Leben um das Tier neu ordnen und seine Freiheiten immer mehr aufgeben. Da liegt eben der Hund begraben! Der Gipfel der Hundedominanz ist erreicht, wenn der Vierbeiner mit im Bett seiner Besitzer übernachtet. Aber so ist es nun mal – schließlich werden die Vierbeiner bereits nach kurzer Zeit wie enge Familienmitglieder angesehen. Manche Leute steigern sich in diese Rolle zu sehr hinein und werden zu regelrechten militanten Hundefanatikern.

 

Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich hundsgemein, aber man muss verstehen, dass diese Zeilen von einem Unbeteiligten verfasst wurden, den diese Tiere, sogar Welpen, ziemlich kalt lassen. Immerhin dulde ich Hundenähe, aber keinen Hautkontakt, weder streicheln noch, Gott bewahre, sich lecken zu lassen! Und trotzdem lieben sie mich und suchen zu meinem Leidwesen stets meine Nähe.

Sie riechen streng, machen Dreck, sorgen für Ablenkung und Lärm, versuchen mit allem und jedem zu kopulieren, fördern einen regen Bakterienaustausch in geschlossenen Räumen – und trotzdem, trotzdem bin ich der Meinung, dass die Vierbeiner einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Arbeitsklimas im Büro leisten.

Das lässt sich einfach begründen:

Hunde sind Therapietiere, die zur geistigen und seelischen Gesundheit beitragen, was bei vielen unbedingt notwendig ist.

Sie erzwingen bei ihren Besitzern regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und die Einhaltung der vorgeschriebenen Pausen. Somit beugen sie Bewegungsmangel vor, was bei Bildschirmarbeitsplätzen ein ernst zunehmendes Problem darstellt, das langfristige gesundheitliche Folgen haben kann.

Sie sorgen für die notwendige Defokussierung – ein Vorgang bei dem die Gedanken neu geordnet und aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden, wodurch alte eingefahrene Pfade verlassen werden, was oft zu frischen und besseren Ideen führt und die Qualität und die Effizienz der Arbeit steigert.

Sie führen zu mehr Vertrauen seitens der Besucher und der Kunden, denn es herrscht immer noch die landläufige Meinung, dass man ein guter Mensch sein muss, wenn man tierlieb ist.

Die Hunde und Haustiere im Allgemeinen bilden die Grundlage der inneren Zufriedenheit und somit die Basis für das, was unter dem Begriff „Glück“ zusammengefasst werden kann.

Die Hunde erinnern uns in unserem Unterbewusstsein daran, dass die sterile, heile Welt, in der wir tagtäglich wandern und arbeiten, virtuell, also nicht echt ist. Sie helfen uns, uns zu erden und zu erkennen, was im Leben wirklich zählt.