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Grafik – Alltag in Art-Moll

Grafik – Alltag in Art-Moll

Als GrafikerIn hat man es aber auch nicht leicht! Ständig muss man kreativ sein. Es vergeht keine Minute, in der eine Form nicht mit bunten Farben gefüllt oder ein Text visuell unterstützt werden will, schrecklich!

Moment.

Eigentlich macht genau das richtig viel Spaß. Man DARF kreativ sein und man DARF mit Formen und Farben arbeiten!

Natürlich ist es manchmal schwer auf Knopfdruck kreativ sein zu „müssen“, manchmal müssen Dinge doch mal schnell fertig werden. Aber da gibt es ja noch diese „Kollegen“, von denen alle sprechen!

Und die bringen meist einen frischen Blick in den Dschungel, der sich Betriebsblindheit nennt.

Das Problem ist manchmal allerdings, dass die Kollegen meistens dann auch mit unterschiedlichen Geschmäckern bezüglich Farbe, Form und schlag mich tot daherkommen. Manche mögen’s mit der Farbpistole, manche mögen‘s „clean“ und da beginnt die Reise durch den kreativen Prozess.

Man kann es das Marie Kondo Prinzip nennen: Man packt erstmal alle Ideen durcheinander auf einen Haufen, nimmt sich jede einzeln vor, und wenn man sie nicht braucht, bedankt man sich bei der Idee und verwirft diese. Dann nimmt man die nächste Idee in die Hand und so weiter und so weiter.

Denn wie bei einem überfüllten Kleiderschrank macht es durchaus auch bei Ideen Sinn, diese auszusortieren – ist dann aber auch nicht böse gemeint. Die eigentliche Schwierigkeit liegt dann darin, das Übriggebliebene irgendwie zu verwursten.

Denn meist ist das Ganze dann ein Zusammenspiel aus Grafik und Text: Grafiken können Texte gänzlich ersetzen, aber meistens ergänzen sie stichwortartige Angaben z.B. eines Factsheets oder unterstreichen visuell längere Texte.

Menschen schauen sich nun mal gerne schöne Dinge an. Komplexe oder trockene Themen können so in ein lockeres und „hippes“ Licht gerückt und auch das Image eines Unternehmens unterstrichen werden. Die Aufnahme von Informationen fällt einem leichter und geht so vor allem schneller, denn wir wissen ja – man hat ja keine Zeit. Alles muss schnell gehen, am besten schon gestern.

Im Grafikdesign steckt sogar etwas Psychologie drin, wenn man so will. In der Mediengestaltung kann man viel dazu lesen und lernen: wie die Leserichtung bei den Menschen ist, welche Elemente und Farben mehr oder zuerst wahrgenommen werden. Ästhetisches Empfinden, goldener Schnitt…Vieles ist natürlich subjektiv, doch vieles ist schon in den menschlichen Genen gesetzt – und damit lässt sich dann auch spielen.

Doch zurück an den Bildschirm: Vorausgesetzt man ist ein Mensch, kann schon viel über die installierte Intuition passieren. Dabei vertraut man eben dieser, aber ebenso wichtig ist es auch, „frische Blicke“ auf das Werk werfen zu lassen. Und dann fallen Sachen auf…es fallen Sachen auf, das glaubt man nicht. Da hat man gefühlte 1000 Male auf das Produkt geschaut und dann fallen den Mitbeäugern Dinge auf, da hätte man auch selbst darauf kommen können. Aber genau das ist eben der Punkt: Man gewöhnt sich schnell an das Bild oder den Text, den man seit Anno Schnuff begutachtet: das Auge übersieht. Und das Hirn gleich mit. Und wenn diese beiden Dinge nicht mehr aufnehmen können brauchen wir es allein gar nicht erst versuchen.

Man findet ja eh immer etwas, das Werk scheint nie vollendet. Daher muss man irgendwann auch wissen wann Schluss ist! Und da kommt die Sache mit der Deadline, die einem dabei hilft, einen Schlusspunkt zu finden.

Auch wenn es aus zeitlichen Gründen nicht immer möglich ist, ist es ratsam, das Erschaffte einen Tag ruhen zu lassen. An dem Werk selbst passiert dann nichts in dieser Zeit aber mit der eigenen Wahrnehmung. Die Betriebsblindheit lässt sich so minimieren und erlaubt einen klareren Blick.

Dann erkennt man auch das ein oder andere Element, das doch nicht so richtig zentriert ist, oder den ein oder anderen Rechtschreibfehler – eliminiert!

Diese „Ruhezeit“ plant man im Idealfall mit ein, aber wie das mit der Theorie und der Praxis ist, wissen wir ja alle. Wenn man kreativ tätig ist, in welcher Form auch immer, darf man nicht aus den Augen verlieren, dass der Weg auch irgendwie das Ziel ist. Das Ergebnis ist wichtig, aber der Prozess kann Dinge beibringen, aus den Fehlern aus Projekt A lernt man dann für Projekt B…