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Fröhlichen Tag des Fehlers 15.08.2019

Fröhlichen Tag des Fehlers 15.08.2019

Wie Oma schon sagte: „Aus Fehlern lernt man!“.

Wir alle sind doch irgendwie mit diesem Sprichwort aufgewachsen, oder nicht? Aber was steckt eigentlich wirklich dahinter? Hinfallen und wieder aufstehen. Noch so ein Sprichwort. Leichter gesagt, als getan.
Gerade wenn wir von Fehlern in der Berufswelt sprechen, dann beeinträchtigt uns dies noch vielmehr, als wenn wir in unserem Privatleben merken, dass wir eine unkluge Entscheidung getroffen haben. Im schlimmsten Fall steht unser Job, unser Unternehmen, unsere Existenz auf dem Spiel.
Was heißt es also hier, in diesem Rahmen, Fehler zu machen, diese anzunehmen und daraus zu lernen?

Gerade in der Startup-Welt hört man immer wieder davon, dass Fehler oder in den Sand gesetzte Unternehmensideen regelrecht gefeiert werden. Ist das nur Hype oder steckt etwas dahinter?
Warum sind Veranstaltungskonzepte wie die „Fck up – Nights“ so erfolgreich und warum stehen immer wieder erfolgreiche und unsere weltprägenden Menschen auf der Bühne und sprechen darüber, wo sie versagt haben und wie daraus ihr Erfolg gewachsen ist?
Genau hier liegt der Knackpunkt…aus dem Misserfolg einen echten Erfolg machen.

Auch das klingt viel nach einer Hollywood-Geschichte, lässt sich aber immer wieder an einigen, ja sogar berühmten, Fallbeispielen aufzeigen:

  1. Der schottische Bakteriologe Sir Alexander Fleming (1881 – 1955) hätte beinahe genau das in den Abfall seines Labors entsorgt, was später zu einer der wichtigsten und am meisten angewendeten Antibiotika werden sollte: das Penicillin. Im Sommer 1928 hatte Fleming eine Agarplatte mit Staphylokokken beimpft und dann beiseitegestellt. Bei seiner Rückkehr ins Labor, am 28. September 1928, entdeckte der Schotte einen Schimmelpilz (lat. Penicillium notatum), der auf diesem Nährboden wuchs und in dessen direkter Nähe kein Wachstum von Bakterien stattfand.
  2. Nachdem sich ein unzufriedener Restaurantgast über die Zubereitung seiner Kartoffeln beschwert hatte, packte den Chefkoch George Speck Crum der Ehrgeiz und erfand ein Gericht, welches heute als Kartoffelchips weltweit zu den beliebtesten Snacks überhaupt zählt. Kartoffelchips, wer mag sie nicht.
  3. John Stith Pemberton (1831 – 1888), US-amerikanischer Apotheker, Oberstleutnant während des amerikanischen Bürgerkriegs im konföderierten Heer, arbeitete nach seiner Militärzeit an einem Mittel gegen Kopfschmerzen, das später als Coca-Cola bekannt werden sollte und Pemberton sich am 6. Juni 1887 patentrechtlich schützen ließ.
  4. Das, was wir heute als die gelben Post-its kennen, war ursprünglich eigentlich eine Fehlproduktion. So arbeite der US-Amerikaner Spencer Silver von der Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M) 1968 an der Entwicklung eines neuen Superklebers. Mit geringem Erfolg. Denn das einzige Produkt, welches hieraus entstand, war eine Art Pinnwand, auf die man Zettel einfach aufkleben und wieder ablösen konnte. Wegen schlechten Verkaufszahlen wurde das Board schnell wieder vom Markt genommen und Silvers Erfindung geriet in Vergessenheit. Zumindest bis zum Jahr 1974, in dem Spencers Kollege Art Fry sich wieder an den Kleber erinnerte und diesen für ablösbare Lesezeichen in seinen Kirchenchornoten benutze. Dies war zugleich die Geburtsstunde des Post-its. Laut der US-Zeitschrift Fortune eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts.
  5. Der US-amerikanische Ingenieur und Erfinder Percy Spencer (1894 – 1970) fand 1945 eher zufällig heraus, dass man mit dem Magnetron einer Vakuum-Laufzeitröhre zur Erzeugung von elektromagnetischer Strahlung im Mikrowellenbereich auch Speisen erwärmen konnte. Kurzum, Spencer erfand die Mikrowelle.

Nun sind wir alle vielleicht nicht unbedingt der Mann der Penicilin erfunden hat, oder Steven Spielberg, der zahlreiche Male als Filmemacher abgewiesen wurde, bevor er zum Weltstar wurde.

Wir sitzen vielleicht einfach in unserem mittelständigen Büro und fragen uns, wie wir eine gute Fehlerkultur auch bei uns einbauen können.

Wie ist es denn so in Unternehmen – werden Fehler tatsächlich nicht gerne gesehen? Gerade in einer ach so perfekten Arbeitswelt, wo jeder effektiv, innovativ und wirtschaftlich zu funktionieren hat, dürfen da wirklich keine Fehler gemacht werden? Wenn es so ist muss man sich fragen, was eine Null-Fehler-Philosophie eigentlich bewirkt. Welche Folgen könnte sie haben?

Wie förderlich ist diese Philosophie für die persönliche und fachliche Entwicklung der Mitarbeiter, ja sogar des Managements? Wie entwickelt sich das Unternehmen unter solchen Voraussetzungen?

Ist es nicht tatsächlich so, dass die Angst vor Fehlern blockiert und viele auf Grund dieser Angst nichts Anderes machen als genau das, was ihnen vorgegeben wurde? Somit treten sie auf der Stelle und zukunftsweisende und sinnstiftende Arbeit wird dadurch nicht gefördert. Dies führt zu Unzufriedenheit und weiterer Verunsicherung. Dieses Arbeitsklima ist für niemanden förderlich -weder für den Arbeitnehmer noch dem Geschäftsmodell und schon gar nicht für die Umsatzförderung oder die Innovationen des Unternehmens. Somit muss ein innovatives Unternehmen Fehler zulassen, um sich von der Masse abzuheben und tatsächlich positive Veränderungen für das Produkt und das Unternehmen zu erreichen. Mitarbeiter, die Fehler machen dürfen, lernen meist auch daraus oder was noch erfreulicher ist, es können daraus Produkte entstehen, die keiner vorab geplant hat.

Viele Unternehmer, streben den „Mut zu Fehlern“ an. Gerade, weil die Fehlervermeidung unpassend für die schnelllebige Welt von heute ist. Die moderne Führung, die von Augenhöhe und Wertschätzung, von mehr Coaching und weniger Ansagen geprägt ist fördert den Mut der Mitarbeiter und auch des Unternehmens, neue effektive Weg zu gehen.

Also hört auf Oma und „Lernt aus euren Fehlern“, lasst sie aber vor allem auch zu und wenn ihr in der Führungsebene sitzt, dann fördert lieber eine Arbeitskultur, in der sich Mitarbeiter sicher genug fühlen auch auszuprobieren.
Wenn wir lernen Fahrrad zu fahren, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir das ein oder andere Mal hinfallen. Wenn wir unseren Führerschein machen, dann werden wir sicherlich hin und wieder den Fahrlehrer zum Kopfschütteln bringen. Es gibt Situationen in unserem Leben, in denen fast erwartet wird, dass es nicht von Anfang an super klappt.

Wir feiern jeden kleinen Schritt und auch das auf den Popo-Plumpsen von Babies, weil wir wissen, dass sie wieder aufstehen werden, es nochmal probieren und dann irgendwann das Laufen als selbstverständlich ansehen. Ehe man sich versieht heizen sie durch das Wohnzimmer und wir kommen kaum hinterher.

Wäre es nicht schön, wenn dies in der Arbeitswelt auch so wäre? Irgendwann haben sich die eigenen Mitarbeiter, die Führungskräfte und Inhaber den Staub von der Hose gestrichen und sind weitergegangen, dass sie jetzt förmlich nach vorne rennen.

Werden in Ihrem Unternehmen Fehler wirklich zugelassen? Vielleicht dient dieser kleine Artikel ja dazu, dass Sie genau dieses Thema noch einmal überdenken.